Naoki Higashida

Warum ich dir nicht in die Augen schauen kann

 
 
„Ein autistischer Junge erklärt seine Welt.“ …

Ja, ihr seht richtig. Heute dreht es sich mal nicht um ein typisches Buch. Kein Buch, in dem Elfen, Drachen oder andere Monster leben. Kein Buch, in dem Helden ihre aber kitschige Liebe unter Beweis stellen müssen. Nur ein kleiner Junge, der sein Leben mit uns teilen möchte. Uns erklären möchte, wieso er manche Dinge so bewerkstelligt, wie er sie eben tut. Oder eben auch, warum er uns nicht in die Augen blicken kann.

Wieso? – Der ausschlaggebende Punkt ist tatsächlich meine neue und lieb gewonnene Arbeit. Wie manche von euch wissen, studiere ich Soziale Arbeit und da man Geld nicht immer nur am Straßenrand findet, geht man nebenbei arbeiten. Ich hatte lange überlegt, in welchen sozialen Bereich hineinschnuppern möchte. Und dann bin ich über meinen Schatten gesprungen und habe die Stelle in einer Tagesfördergruppe für Kinder und Jugendliche mit autistischen Verhaltensweisen angenommen. Ich wollte und will meinen Horizont erweitern. Meine Grenzen austesten. Erfahrungen sammeln. Entscheidungen treffen, die mein späteres Leben nicht ganz außer Acht lassen sollen. Und vor allen Dingen mehr über diese Kinder und ihrem alltäglichen Begleiter namens Autismus erfahren.

»Falls jemand noch nichts von Autismus gehört hat:«

Und zu meinem Geburtstag habe ich mir mitunter eben genau dieses Buch gewünscht. – Da sag noch mal einer, Wünsche gehen nicht in Erfüllung. Danke nochmals, liebste Josie. ♡

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„Warum ich euch nicht in die Augen schauen kann“ ist ein kleines und dünnes Buch. Es beinhaltet 160 Seiten und sind von einem japanischen, dreizehnjährigen Jungen, der selbst schwer mit Autismus zu kämpfen hat, geschrieben worden.
 
Doch so dünn dieses Buch auch sein mag, so schnell sich auch die Buchstaben zu Wörtern und dann zu Sätzen haben bilden lassen, so gewaltig ist die Message, die hierin steckt. Nämlich:
 

Auch Autisten sind Menschen.
Auch Autisten haben Gefühle.
Auch sie verdienen unsere Liebe, Aufmerksamkeit und Nachsicht.

 
Zu Beginn befindet sich ein Vorwort von David Mitchell. Er ebnet den Weg für das Thema und ist selber Vater eines autistischen Jungens. Er sagt, dass er durch dieses Buch und durch Naokis Sichtweise seinen Sohn besser verstehen kann. – Ja, auch Eltern sind nur Menschen und können bei weitem nicht alles wissen. Und ich ziehe immer wieder den Hut vor denen, die sich nicht genieren, es offen auszusprechen.

»Als ich ein kleines Kind war, wusste ich nicht, dass ich ein behindertes kleines Kind war. Und wie fand ich es heraus? Durch andere Menschen, die mir erklärten, ich sei anders als alle anderen und das sei ein Problem. Was auch stimmt.«
 

Naoki Higadashi, 2017

 
So beginnt Naoki selbst in seinem Buch. „Ich sei anders. . . Ich sei ein Problem. . .“ Bis zu dieser Stelle hat man noch nicht viele Seiten gelesen. Und doch habe ich gestockt und geschluckt. Google sagt Folgendes über Problem:


Wie kann ein Kind ein Problem sein? Wie passt sowas in einen Satz? Wie kann anders-sein ein Problem sein? Und vor allen Dingen, wie kann man sowas einem Kind sagen? Dinge sind Probleme, aber doch keine Menschen! Wieso muss man Herausforderungen oder das Anderssein immer als Problem darstellen? Sind wir zu faul geworden, Herausforderungen anzunehmen? Sind es Menschen in unserer Umgebung nicht mehr wert? – Es sind die Kleinigkeiten, die sich tief ins Herz bohren und dort eine Menge Schaden ausrichten können. Vergesst das nicht!

Innerhalb seines Buches stellt er sich 58 Fragen, wie zum Beispiel:
 
 

„Warum sprecht ihr Autisten so laut und so komisch?“
„Wieso kannst du dich nicht ordentlich unterhalten?“
„Warum machst du nicht einfach das, was man dir sagt?“

usw.

 
 
Und immer wenn ich mit meinen Kindern auf der Arbeit zusammen bin und sie gerade wieder – in meinen Augen – seltsame Dinge tun, denke ich an Naoki Higashida, der mir die Welt des Autismus erklärte und alles ist wieder NORMAL.

Fazit:

Ich kann jedem das Buch nur ans Herz legen, der sich mit dem Thema näher auseinandersetzen möchte. Egal ob Anfänger oder schon Jahre lang involviert, es hilft, einiges zu verstehen. Auch wenn Autismus nicht gleich Autismus ist. Es hilft trotzdem.

Ich bitte euch, achtet darauf, was ihr zu jemanden sagt. Verurteilt sie nicht. Steckt sich nicht in Schubladen. Und schon gar nicht von oben herab. Gebt ihnen eine Chance. Egal, ob gesund, normal oder beeinträchtigt. Wir alle sind Menschen. Und wir alle haben -vorerst- nur dieses Leben! – Denkt darüber nach … ♡
 

 
»Begegne den Menschen mit der gleichen Höflichkeit, mit der du einen teuren Gast empfängst. Behandle sie mit der gleichen Achtung, mit der das große Opfer dargebracht wird. Was du selbst nicht wünschst, das tue auch anderen nicht an. Dann wird es keinen Zorn gegen dich geben – weder im Staat noch in deiner Familie.«
 

Konfuzius

 

2 Gedanken zu „Naoki Higashida

Warum ich dir nicht in die Augen schauen kann

    1. Hallo Sara, 🙂

      Oh vielen lieben Dank, dass meine Message angekommen ist. 🙂
      Ich bin ehrlich, ich kannte vor David Mitchell gar nicht. 😀 – Aber die Welt ist nun manchmal ein Dorf. 😀

      Liebe Grüße,
      Melli

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