Wenn Worte so viel mehr sein können.
Emily Trunko – Ich wollte nur, dass du noch weißt…

Wir hatten gestern ausnahmsweise mal getrennt von einander zu Abend gegessen. Und als sich der Herr dann doch bereit erklärt hatte, sich ein paar Happen zu genehmigen, wollte ich ihm ein bisschen Gesellschaft leisten und noch bei ihm sitzen. Schräg hinter ihm steht meine geliebte Bücherwand, und wie wir dann so am Tisch saßen, fiel mein Blick immer mal in dieses eine Fach. Für einige Sekunden konnte ich dem Drang widerstehen. Doch dann übermannte es mich doch und ich konnte nicht länger. Ich musste einfach aufstehen, und meine Gedanken in eins der schönen Bücher vertiefen.

Wie ihr euch sicherlich denken könnt, ist die Wahl auf dieses schöne Exemplar gefallen. Sonst wäre der Titel auch anders. Hihihi.
 

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Ich bin letztes Jahr schon sooo lange um dieses Buch herumgeschlichen, konnte mich aber nie erbarmen. Dachte immer: „Es ist kein Buch in diesem Sinne… So viel Geld für ein paar Briefe … Ein paar Gedanken..!“ Doch dann kam zu Weihnachten von einem langjährigen Freund ein Thaliagutschein und jetzt MUSSTE ich es haben. Ein bisschen Herzschmerz und ein wenig Seufzen beim Lesen war mal wieder fällig. Welches Buch würde es besser bieten als dieses?

Klappentext
 
Wer hat nicht schon einmal einen Brief geschrieben und darin die geheimsten Gedanken und Gefühle preisgegeben, sich dann aber doch nicht getraut, ihn abzuschicken?

Die Social Media-Sensation aus den USA! Bisher unveröffentlichte Beiträge des beliebten Tumblr-Blogs Dear My Blank werden in diesem einzigartigen Geschenkbuch vereint. Die liebevollen Illustrationen, das wunderschöne Handlettering und die zutiefst bewegenden Worte machen diese Sammlung zu einem ganz besonderen Jugendbuch, das lange im Gedächtnis bleiben wird.

In ihrem Tumblr-Blog Dear My Blank postet die 16-jährige Emily Trunko anonyme Briefe, Nachrichten und E-Mails der mehr als 35.000 Leser ihres Blogs, die eigentlich nie versendet werden sollten: herzzerreißende Liebesbriefe, zutiefst traurige Abschiedszeilen und auch Worte voller Hoffnung. Diese Texte zeigen, dass wir mit unseren Problemen nicht allein sind, und geben uns den Mut, unseren eigenen Brief vielleicht doch noch zu verschicken.

Meine Meinung (Könnte eventuell Spoiler enthalten!)
 
Auf den ersten Blick scheint es ein merkwürdiges Buch zu sein. Wenn man sich mit der Hintergrundgeschichte auskennt, das Buch lediglich in die Hand nimmt und ein bisschen umherblättert, hat man ein Buch mit illustrierten Seiten und teilweise wenig Text. Und dann dafür 14,95€ zu bezahlen. Da sagen manche sicherlich „No way!“

Es ist auch kein typisches Buch, in dem ein Wort dem anderen folgt und es eine schier lange und zusammenhängende Geschichte ergibt. Es beinhaltet tatsächlich nur wenig Wort. Doch dafür ausreichend genug Wörter, um genau ins Schwarze zu treffen. Um dich weinen zu lassen. Um dich zum Nachdenken anzuregen. Um dich wissen zu lassen, dass du nicht alleine bist. Um einfach Danke zu sagen. Und um so viel Dinge mehr.

Ich hatte vorher nur Gutes über das Buch gehört. Es sollte packend und mitfühlend sein. Es hieß sogar von dem manch einen oder anderen, dass die Augen nicht trocken bleiben. Und je nachdem wie der Mensch selbst gestrickt ist, kann es sein, dass man mehr als ein paar Briefe hintereinander nicht schafft, weil es dich selber zu sehr emotional auffrisst.

So begann ich also das die ersten Briefe zu lesen. Man versucht sich automatisch eine Hintergrundgeschichte dazu auszumalen, ob man will oder nicht. Manche bewegen dich mehr, manche weniger. Sagen wir es so, die ersten tatsächlich noch weniger. Ich konnte schon verstehen, dass es demjenigen selber sehr wichtig erschien, doch ich konnte ihnen nicht all zu sehr etwas abgewinnen. Und dann war er da. Der Moment, der mich fesselte, packte und bis ins Mark zum Schluchzen erweckte… Ein Brief eines todkranken Mädchen gerichtet an die vermeintlich verflossene Liebe, die sie vielleicht nicht böswillig aber dennoch abgewiesen hatte und sich jetzt eingestehen musste, dass sie nie wieder die Chance dafür bekommen würde. Man liest ihre Zeilen und spürt ihren unendlichen Drang zu leben und zu lieben. Alt zu werden. Das Leben zu genießen und es mit jemanden zu teilen… Doch das Leben macht ihr einen Strich durch die Rechnung.

Den Rest lass ich einfach mal so unkommentiert im Raum stehen. Ich möchte euch nicht die Freude am Lesen nehmen. Ich kann es euch nur anraten, es selbst zu lesen. Das Schöne an diesem Buch ist noch, es ist in Kategorien aufgeteilt. Danke. Verlust. Welt. Familie. Und noch viele weitere. Teilweise schöne Erinnerungen mit einem bitterem Beigeschmack. Bei manchen lässt sich ein stummer Hilfeschrei erkennen. Bei manch anderen einfach nur die tiefste Dankbarkeit. Wie ihr merkt, es ist aus jedem Sektor etwas enthalten. Und wie ich seit gestern gelernt habe, können Wörter so viel mehr sein… So lasst uns nicht blind durch die Welt laufen und den Worten der Menschheit keine Beachtung schenken, sondern hört dem anderen besser zu. Vielleicht können wir dann daraus wieder ein kleines Stück bessere Welt schaffen.
 
 

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